Wettbewerb Dokumentationszentrum Obersalzberg (D)

Isometrische Darstellung

Der Neubau für die Dokumentation Obersalzberg ist ein unbequemes Gebäude. Der Begegnung und Auseinandersetzung mit ihm kann man sich nicht entziehen. Ein Haus im archetypischen Sinne, jedoch im Maßstab gebrochen und mit seiner Ausdehnung und Masse so weit verfremdet, dass es keine tradierten Assoziationen hervorruft. Seine Form bleibt abstrakt und nicht greifbar – ihr kommt keine spezifische Bedeutung zu, sie lässt auf der anderen Seite aber auch keinen Spielraum für Interpretationen. Von Berchtesgaden kommend, zeigt sich ein überhoher, schmaler Baukörper, der sich in der Annäherung in die Tiefe, das heißt in den Berg, ausdehnt und auf der Eingangsfront schließlich als eingeschossiges Gebäude erscheint. Die Ausbildung der Fassade verzichtet auf architektonische Detaillierung und bleibt nahezu hermetisch geschlossen. Die Verwendung opaker, tiefgründiger Materialien in weißer Farbe unterstreichen den abstrakten, introvertierten Charakter des Gebäudes.

Auf die Formung der vorgefundenen, bis in jüngste Vergangenheit mehrfach umgepflügten Landschaft geht der Neubau nicht explizit ein. Er wählt vielmehr einen pragmatischen Umgang mit seiner Umgebung und sucht sich die funktional günstigste Stelle im Gelände. Der Einschnitt des Baukörpers in den Hang erzielt eine optimale Einbindung in die vorhandenen baulichen Strukturen und gleichzeitig die erwünschte eindrückliche Wirkung.
Das neue Gebäude wird zentral auf dem Grundstück positioniert und ermöglicht somit die unmittelbare Erschließung vom Parkplatz aus sowie einen direkten Zugang zu den Bunkeranlagen. Zum bestehenden Dokumentationszentrum hält der Neubau Abstand, er nutzt jedoch den vorhandenen Gang vom Bestandsgebäude zu den Bunkern als unterir-
dische Anbindung.

Der Geradlinigkeit und Härte der bestehenden Mauerreste wird eine geschwungene, der natürlichen Topographie entsprechende Linienführung des Besucherweges entgegengesetzt. Der herabkommende, asphaltierte Weg geht hier entlang der Hangkante in einen schwebenden Holzsteg über. Durch seine Führung in bewusstem Abstand zu den Mauerresten wird ein besetzbarer Zwischenraum geschaffen. Eine Vielzahl von eng aneinander liegenden Baumstämmen bildet eine dezent-ruhige und in ihrer Ausdehnung monotone Fläche, und gleichzeitig entsteht ein mahnendes Zeichen.
Zeit, Vergänglichkeit und Neuanfang werden erlebbar gemacht. In die Erde unter den Stämmen eingestreute Birkensamen wachsen langsam in den Zwischenräumen, die Kraft der Baumstamm-Decke kontinuierlich sprengend, erst zu einem niedrigen, grünen Teppich und später zu einem, für diese Ge-
gend ungewöhnlichen und lichten Birkenwald heran. Gleichzeitig verrotten die Stämme, ebenso wie die in den Hintergrund gerückten Mauerreste unaufhörlich verwittern und erodieren.


externe Links:
Staatliches Bauamt Traunstein – Wettbewerbsdokumentation

Härtel Lovis Steinbach Architekten – 2014

in Zusammenarbeit mit:
von Pechmann Landschaftsarchitekten